KOMAGIRL: Eine tägliche Serie

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Man erfährt so einiges, wenn die Leute glauben, dass man nicht zuhört …

Vorwort

Seit ich mich erinnern kann, leide ich unter Schlaflosigkeit. Ich war schon immer eine Nachteule und ein Morgenmensch, komme aus mit fünf, vielleicht sechs Stunden zusammengewürfeltem Schlaf zwischen Anfällen von Rastlosigkeit. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass ich es mein ganzes Leben lang irgendwie gehasst habe, schlafen zu müssen. Ich schätze, auf irgendeiner unbewussten Ebene hatte ich wohl Angst, dass ich etwas Wichtiges oder Aufregendes oder Unwiederbringliches verpassen könnte. Was meine derzeitige Zwickmühle umso ironischer macht.

Ich befinde mich in einem tiefen vegetativen Zustand … besser bekannt als Koma.

Andere Leute bezeichnen meine Situation als „traurig“, „herzzerreißend“, … sogar „tragisch“. Ich finde all die Aufmerksamkeit eher seltsam, wenn ich darüber nachdenke, dass ich, bevor ich in Bett 3 der Langzeitpflegestation des Brady Hospitals in Atlanta, Georgia, gelandet bin, das Mädchen war, dem niemand viel Beachtung geschenkt hat. Ich war das mittlere Kind – mittelhübsch, mittelschlau, mittelerfolgreich mit einer mittelmäßigen Persönlichkeit in einem mittelmäßigen Job bei einer mittelmäßigen Firma. Mein Name ist Marigold Kemp, aber dieser Tage werde ich meistens Komagirl genannt. Offenbar habe ich sowas wie eine Fangemeinde. Ich bin ein Trend in den sozialen Medien. Ich habe meinen eigenen Hashtag.

Da es so aussieht, dass ich eine Weile hierbleiben werde, dachte ich, ich könnte auch gleich anfangen, meine Geschichte zu erzählen; es hat ein paar Drehungen und Wendungen gegeben, was die Art und Weise betrifft, wie ich hier hergekommen bin, und es kommen zweifellos noch ein paar. Die Liste der Vorteile davon, im Koma zu liegen, ist ziemlich verdammt kurz, aber wenn ich sagen müsste, was das Beste daran ist, dann, dass man viel erfahren kann, wenn die Leute glauben, dass man nicht zuhört. Ich bin als Horcherin nicht zu übertreffen, und Kumpel, sollte ich je aufwachen, dann werde ich in einem Buch so richtig auspacken.

In der Zwischenzeit erzähle ich es schon mal dir.


Die tägliche Serie Komagirl läuft vom 1. Juli bis 31.Dezember.  Die täglichen Episoden nur für 24 Stunden verfügbar also Merker setzen auf Deinem Handy, Computer oder Memo-board um täglich kostenlos bei Komagirl auf dem Laufenden zu bleiben.


Dienstag, 22. August

„Sperren Sie die Tür zu“, wies Dr. Jarvis an.

„Warum?“, fragte Gina.

„Tun Sie einfach, was ich sage.“

Ich hörte das Klicken des Schlosses.

„Dr. Jarvis, was ist los?“

„Ich habe Sie gebeten, zu kommen, weil ich weiß, dass Sie sich sehr für Miss Kemp interessieren.“

„Es ist schwer, gewisse Patienten nicht liebzugewinnen“, stimmte sie zu.

„Also, ich bin mir sicher, Sie wollen die bestmögliche Chance auf Genesung für sie.“

„Natürlich“, sagte sie, doch ihre Stimme klang misstrauisch. „Worum geht es hier?“

„Dr. Tyson und ich haben mit einem Neurowissenschaftler am Walter-Reed-Militärinstitut über ein neues Medikament gesprochen, das das Militär benutzt, um SHT-Patienten zu helfen.“

„Ich weiß. Dr. Tyson hat es mir erzählt. Aber sie sagte, dass die Versicherung das nicht übernimmt.“

„Es wurde Einspruch eingelegt … und ich konnte das Mittel beschaffen.“

„Das Medikament ist in dieser Spritze da?“

„Ja.“

„Aber das sind doch tolle Neuigkeiten. Warum die Heimlichtuerei?“

„Der Vorstand hat es noch nicht abgesegnet.“

„Wozu reden wir dann?“, fragte Gina, und ihre Stimme war plötzlich streng.

„Weil ich Ihre Hilfe brauche. Je eher Miss Kemp dieses Medikament bekommt, desto eher geht es ihr vielleicht besser. Wenn wir auf den Vorstand warten, könnte das Wochen dauern. Bis die zustimmen, könnte sie sich schon auf dem Weg der Besserung befinden.“

„Was, wenn sie nein sagen?“

„Sie ist jetzt eine Person von öffentlichem Interesse – sie werden nicht nein sagen.“

„Aber wenn sie das tun, könnte ich meinen Job verlieren, und Sie könnten Ihre Zulassung verlieren.“

„Wenn das hier schiefgeht, machen Sie sich keine Sorgen – ich übernehme jegliche Verantwortung. Niemand wird erfahren, dass Sie etwas damit zu tun hatten.“

Ich fühle mit Gina. Egal, was er sagt, sie weiß, wenn die Sache nicht klappt, wird sie vielleicht mit hineingezogen. Und sie hat ein Kind zu ernähren.

„Ich werde das Medikament verabreichen“ sagte er. „Ich brauche Sie nur, damit Sie zusehen und sicherstellen, dass ich die Vorgaben einhalte.“

„Außer der, zuerst die Genehmigung einzuholen“, sagte sie trocken.

Touché.

„Sie wissen, ich würde das nicht tun, wenn ich nicht glauben würde, dass es Miss Kemp hilft“, sagte er.

„Haben Sie einen weiteren Test auf Bewegungsreaktionen durchgeführt?“

„Ja, heute Morgen.“

„Und?“

Und ich konnte nicht reagieren.

„Und sie hat auf meine Kommandos nicht reagiert. Aber vorher hat sie das schon zweimal getan, das schwöre ich Ihnen. Ich will ihr das Medikament jetzt geben, weil ich Angst habe, dass sie abbaut.“

„Das ist unmoralisch, Doktor.“

„Ist es das? Sehen Sie sie an, Gina. Sie ist achtundzwanzig und könnte den Rest ihres Lebens so verbringen. Ich glaube, wenn Miss Kemp mit uns sprechen könnte, würde sie uns sagen, wir sollten es versuchen.“

Verdammt richtig, das würde ich. Komm schon, Gina!

Gina seufzte. „Okay. Folgen Sie meinen Anweisungen.“

„Dankeschön, Gina.“

„Danken Sie mir nicht. Ziehen Sie Handschuhe an … reinigen Sie dann mit einem Alkohol-Tupfer den IV-Zugang.“

Sie würden es wirklich tun!

„Okay, führen Sie nun die Spritze ein.“

Der Türknauf ratterte, dann war ein heftiges Klopfen an der Tür zu hören. „Hallo? Warum ist diese Tür verschlossen?“

„Das ist Teddy“, flüsterte Gina mit panischer Stimme.

„Entspannen Sie sich“, sagte Dr. Jarvis. „Das hier wird nur ein paar Sekunden dauern.“

„Spritzen Sie langsam.“

Das Klopfen war erneut zu hören. „Gina, bist du da drin?“

„Einen Moment noch!“, rief Gina.

„Fast fertig“, sagte Dr. Jarvis. „So.“

„Verstecken Sie die Spritze“, fauchte sie.

Ihre Schritte waren zu hören, dann schloss sie die Tür auf.

„Was haben Sie denn da gemacht?“, fragte Teddy.

„Klinische Untersuchung“, sagte Dr. Jarvis. „Ich wollte nicht, dass die Familie reinkommt und sich erschreckt.“

„Ah“, sagte Teddy, dann grummelte er. „Sieht aus, als hätte wieder jemand ihre Nägel lackiert.“

„Wir kümmern uns morgen darum“, sagte Gina, und selbst in meinen Ohren klang sie aufgeregt.

„Dr. Jarvis“, sagte Teddy, „ich glaube, Dr. Tyson sucht nach Ihnen.“

Wie Scooby-Doo so schön sagen würde: Rah roh.

„Warum?“, fragte Gina. Sie klang panisch.

„Hat sie nicht gesagt“, sagte Teddy langsam.

„Danke“, sagte Dr. Jarvis. „Ich werde nur schnell nochmal Miss Kemps Vitalzeichen überprüfen.“

„Gute Idee“, sagte Gina zu laut.

Die Tür schloss sich. Dr. Jarvis überprüfte meinen Puls, Blutdruck, meine Atmung und Temperatur, und schien zufrieden.

„Alles scheint gut zu sein, Marigold. Ich komme wieder, um nach dir zu sehen. In der Zwischenzeit, halt die Daumen.“

Ach … Komahumor.  ~

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