KOMAGIRL: Eine tägliche Serie

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Man erfährt so einiges, wenn die Leute glauben, dass man nicht zuhört …

Vorwort

Seit ich mich erinnern kann, leide ich unter Schlaflosigkeit. Ich war schon immer eine Nachteule und ein Morgenmensch, komme aus mit fünf, vielleicht sechs Stunden zusammengewürfeltem Schlaf zwischen Anfällen von Rastlosigkeit. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass ich es mein ganzes Leben lang irgendwie gehasst habe, schlafen zu müssen. Ich schätze, auf irgendeiner unbewussten Ebene hatte ich wohl Angst, dass ich etwas Wichtiges oder Aufregendes oder Unwiederbringliches verpassen könnte. Was meine derzeitige Zwickmühle umso ironischer macht.

Ich befinde mich in einem tiefen vegetativen Zustand … besser bekannt als Koma.

Andere Leute bezeichnen meine Situation als „traurig“, „herzzerreißend“, … sogar „tragisch“. Ich finde all die Aufmerksamkeit eher seltsam, wenn ich darüber nachdenke, dass ich, bevor ich in Bett 3 der Langzeitpflegestation des Brady Hospitals in Atlanta, Georgia, gelandet bin, das Mädchen war, dem niemand viel Beachtung geschenkt hat. Ich war das mittlere Kind – mittelhübsch, mittelschlau, mittelerfolgreich mit einer mittelmäßigen Persönlichkeit in einem mittelmäßigen Job bei einer mittelmäßigen Firma. Mein Name ist Marigold Kemp, aber dieser Tage werde ich meistens Komagirl genannt. Offenbar habe ich sowas wie eine Fangemeinde. Ich bin ein Trend in den sozialen Medien. Ich habe meinen eigenen Hashtag.

Da es so aussieht, dass ich eine Weile hierbleiben werde, dachte ich, ich könnte auch gleich anfangen, meine Geschichte zu erzählen; es hat ein paar Drehungen und Wendungen gegeben, was die Art und Weise betrifft, wie ich hier hergekommen bin, und es kommen zweifellos noch ein paar. Die Liste der Vorteile davon, im Koma zu liegen, ist ziemlich verdammt kurz, aber wenn ich sagen müsste, was das Beste daran ist, dann, dass man viel erfahren kann, wenn die Leute glauben, dass man nicht zuhört. Ich bin als Horcherin nicht zu übertreffen, und Kumpel, sollte ich je aufwachen, dann werde ich in einem Buch so richtig auspacken.

In der Zwischenzeit erzähle ich es schon mal dir.


Die tägliche Serie Komagirl läuft vom 1. Juli bis 31.Dezember.  Die täglichen Episoden nur für 24 Stunden verfügbar also Merker setzen auf Deinem Handy, Computer oder Memo-board um täglich kostenlos bei Komagirl auf dem Laufenden zu bleiben.


Samstag, 22. Juli

„Deine Statistiken in den sozialen Netzwerken werden jeden Tag besser“, sagte Sidney. „David kennt da so ein Online-Marketing-Genie, der angeboten hat, kostenlos an deiner Marke zu arbeiten.“

Ich habe eine Marke?

„Er glaubt, Komagirl hat das Potenzial, ein riesiger Lizenzbetrieb in der Unterhaltungsindustrie zu werden – Bücher, Fernsehen, Filme … vielleicht sogar ein Broadway-Musical.“

Ein Musical über ein Mädchen im Koma?

„Er interviewt jetzt in diesem Moment Agenten. Das ist so aufregend! Vielleicht sollte ich darüber nachdenken, mich auf Medienrecht zu spezialisieren.“

Ein Handy klingelte. Ich hörte Sid in ihrer Tasche herumkramen, dann mit einem Klick den Anruf annehmen. „Hallo?“

Am Klang ihrer Schritte konnte ich erkennen, dass sie von meinem Bett weggegangen war.

„Ich hab dir doch gesagt, du sollst mich nicht anrufen.“ Ihre Stimme klang leise und ernst. „Ich bin beschäftigt. Ja, ich arbeite an dem Projekt, aber ich habe noch nicht genug, um es dir zu schicken. Ich brauche mehr Zeit.“ Sie machte ein entnervtes Geräusch. „Ich weiß nicht, wann ich zurückkomme. Diese Sache mit meiner Schwester dauert länger, als ich dachte.“

Ich konnte hören, wie sie gereizt mit dem Fuß klopfte, dann hörte sie auf.

„Was? Nein, du kannst nicht herkommen. Ich rufe dich an, wenn ich weitergekommen bin.“ Die Art und Weise, wie sie den Finger auf das Telefon stieß, um den Anruf zu beenden, sagte mir, dass sie es eigentlich an die Wand werfen wollte. „Verdammt“, murmelte sie.

Ich fühlte mich schrecklich, weil Sid bei einem Kursprojekt so im Rückstand war, aber sie hatte mehr Zeit mit David Spooner verbracht als mit mir.

Die Tür öffnete sich und ich erkannte den Klang der harten Sohlen von Spooners Schuhen, bevor er überhaupt den Mund aufmachte.

„Ich habe dem Lokalfernsehen gerade die Ankündigung gemacht, dass wir in dreißig Minuten ein Update zu Marigolds Zustand geben. Dr. Tyson ist mit dabei; sie hat gesagt, sie kann zwar nicht sagen, dass Marigold Fortschritte macht, aber sie kann sagen, dass sich ihr Zustand auch nicht verschlechtert.“

Nicht verschlechtert. Das soll wohl positiv sein?

„Also“, sagte David, „habe ich Dr. Tyson vorgeschlagen, dass sie stattdessen sagen soll, dass Marigold weiterhin tapfer standhält.“

„Ach, das klingt viel besser.“

„Ja, nicht wahr?“

Das tat es, gab ich zu. Der Mann wusste, wie man etwas formuliert.

„Okay“, sagte Sidney. „Wie seh’ ich aus?“

„Umwerfend, wie immer“, sprudelte er. „Warte – nimm eine Blume aus einem der Sträuße und steck sie in deine Blazertasche.“

„Wie wär’s mit dieser pinkfarbenen Rose?“

„Das wird perfekt aussehen. Berühr sie ab und zu und erwähne bei Gelegenheit, dass sie da ist, um dich an Marigold zu erinnern.“

Oh, gute Güte.

„Hast du meine Notizen?“, fragte sie.

„Gleich hier, aber versuche, sie nicht zu benutzen, wenn du nicht musst. Die Leute wollen sehen, dass du aus dem Herzen sprichst.“

„Aber was, wenn ich’s vermassle?“

„Das wirst du nicht, aber wenn du es doch tust, dann entschuldige dich einfach und sag, du hast nicht viel geschlafen und die Situation mit deiner Schwester zehrt an dir.“

Nicht weit hergeholt, aber jetzt echt?

„Das ist gut. Was, wenn jemand eine Frage stellt, bei der ich nicht weiß, wie ich antworten soll?“

„Schau einfach zu mir. Wenn sie angemessen ist, dann werde ich einschreiten. Oder, wenn ich dir dieses ‚Schluss‘-Zeichen gebe, sag ihnen, es tut dir leid, aber du wurdest gerade zurück ans Bett deiner Schwester gerufen.“

Okay, das ist jetzt etwas übertrieben.

„Hey, geht’s dir gut?“, fragte er. „Du wirkst ein wenig angespannt.“

„Einfach nervös, schätze ich. Ich wünschte einfach, all das hier wäre nicht passiert.“

Als ich den schwermütigen Tonfall in Sidneys Stimme hörte, verzieh ich ihr ihre Begeisterung von vorhin.

„Ich weiß“, tröstete er. „Aber es ist passiert, und der beste Weg, wie du deiner Familie helfen kannst, ist, den Fall deiner Schwester im Zentrum der Aufmerksamkeit zu halten.“

„Du hast Recht. Lass uns gehen.“

„Übrigens, was soll das mit der permanenten klassischen Musik?“

„Keine Ahnung“, sagte Sidney.

Die Tür schloss sich hinter ihnen.

Lasst euch nicht stören … Ich werde einfach weiter hier liegen und meine Marke aufbauen. ~

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