KOMAGIRL: Eine tägliche Serie

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Man erfährt so einiges, wenn die Leute glauben, dass man nicht zuhört …

Vorwort

Seit ich mich erinnern kann, leide ich unter Schlaflosigkeit. Ich war schon immer eine Nachteule und ein Morgenmensch, komme aus mit fünf, vielleicht sechs Stunden zusammengewürfeltem Schlaf zwischen Anfällen von Rastlosigkeit. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass ich es mein ganzes Leben lang irgendwie gehasst habe, schlafen zu müssen. Ich schätze, auf irgendeiner unbewussten Ebene hatte ich wohl Angst, dass ich etwas Wichtiges oder Aufregendes oder Unwiederbringliches verpassen könnte. Was meine derzeitige Zwickmühle umso ironischer macht.

Ich befinde mich in einem tiefen vegetativen Zustand … besser bekannt als Koma.

Andere Leute bezeichnen meine Situation als „traurig“, „herzzerreißend“, … sogar „tragisch“. Ich finde all die Aufmerksamkeit eher seltsam, wenn ich darüber nachdenke, dass ich, bevor ich in Bett 3 der Langzeitpflegestation des Brady Hospitals in Atlanta, Georgia, gelandet bin, das Mädchen war, dem niemand viel Beachtung geschenkt hat. Ich war das mittlere Kind – mittelhübsch, mittelschlau, mittelerfolgreich mit einer mittelmäßigen Persönlichkeit in einem mittelmäßigen Job bei einer mittelmäßigen Firma. Mein Name ist Marigold Kemp, aber dieser Tage werde ich meistens Komagirl genannt. Offenbar habe ich sowas wie eine Fangemeinde. Ich bin ein Trend in den sozialen Medien. Ich habe meinen eigenen Hashtag.

Da es so aussieht, dass ich eine Weile hierbleiben werde, dachte ich, ich könnte auch gleich anfangen, meine Geschichte zu erzählen; es hat ein paar Drehungen und Wendungen gegeben, was die Art und Weise betrifft, wie ich hier hergekommen bin, und es kommen zweifellos noch ein paar. Die Liste der Vorteile davon, im Koma zu liegen, ist ziemlich verdammt kurz, aber wenn ich sagen müsste, was das Beste daran ist, dann, dass man viel erfahren kann, wenn die Leute glauben, dass man nicht zuhört. Ich bin als Horcherin nicht zu übertreffen, und Kumpel, sollte ich je aufwachen, dann werde ich in einem Buch so richtig auspacken.

In der Zwischenzeit erzähle ich es schon mal dir.


Die tägliche Serie Komagirl läuft vom 1. Juli bis 31.Dezember.  Die täglichen Episoden nur für 24 Stunden verfügbar also Merker setzen auf Deinem Handy, Computer oder Memo-board um täglich kostenlos bei Komagirl auf dem Laufenden zu bleiben.


Freitag, 15. Dezember

Die Tür öffnete sich und ließ eine junge, blonde Frau herein, die mir vage vertraut erschien. Meine Gedanken wirbelten durcheinander, als ich versuchte, sie zu identifizieren – jemand aus meinem Burlesque-Kurs? Ich glaube nicht. Die Lehrerin, die mein Enthüllungsmanuskript an einen Fremden weitergegeben hat? Ich meine mich zu erinnern, dass sie dunkelhaarig war. Vielleicht ist sie eine Besucherin für Shondra Taylor, die bedauernswerte Frau im Bett neben mir, deren Scharen von Besuchern während der letzten paar Wochen deutlich geschrumpft sind.

Aber als sie direkt auf mein Bett zuschreitet, schnellen Warnflaggen in die Höhe – noch mehr, als mir klar wird, wer sie ist.

Trina, Duncans Ex-Verlobte.

Wie ist sie an meinem Türsteher vorbeigekommen?

„Erinnerst du dich an mich?“, fragte sie. „Ich war die Frau, die Duncan glücklich machen wollte. Ich war nett zu dir, Komagirl, weil du mir leidgetan hast. Und du tust mir immer noch leid.“

Ich konzentriere alle meine Bemühungen darauf, meine Finger rüber, rüber, rüber zu schieben, bis sie den Rufknopf berühren. Ich drücke darauf und zu meiner enormen Erleichterung ist kein Summer zu hören. Stattdessen ging hinter Trina ein Licht über der Tür an.

Sie trat näher. „Weil, du denkst doch nicht wirklich, dass er für immer bei dir bleiben wird, oder? Warum würde ein Mann ein Gemüse zur Frau wollen?“

Sie beugte sich über mein Bett und kam mit ihrem Gesicht nah an meines. „Du bist bloß Duncans Wohltätigkeitsprojekt des Tages.“

Die Tür öffnete sich und Teddy kam mit langen Schritten herein. „Wer sind Sie?“

Tina richtete sich auf. „Ich bin … gerade am Gehen.“

„Das ist eine gute Idee. Und kommen Sie nicht wieder.“

Trina marschierte aus dem Zimmer. Teddy blickte zurück zu mir und ich denke, mein Gesichtsausdruck spiegelt den Peitschenhieb wieder, den ich spüre.

„Alles okay, Marigold?“

Ich nicke.

„Soll ich jemanden rufen? Duncan?“

„Nein“, krächze ich. „Mir geht’s … gut.“

Teddy nickt, dann verlässt er das Zimmer.

Aber mir geht es nicht gut. Mir geht es überhaupt nicht gut.

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